Sie kommt so sicher wie der erste Zahn bei Kindern und das erste graue Haar im Bart bei Männern: Die Wechseljahre der Frau.
Wo wir vom knackigem Vollweib stufenlos überwechseln zu etwas schwer Definierbarem. Sind wir jetzt noch Frau? Eher Neutrum oder weise Alte? Es ist eine Zeit der Ungewissheit und wir werden unsichtbar für Männer.
Wir können uns die Menopause schönreden und sie hat auch gute Seiten, aber es ist nicht zu leugnen, dass es ein Alterungsschub ist, eine plötzliche Verschlechterung, die oft auch noch mit Symptomen einher geht.
Die Symptome sind die Spitze des Eisberges
Hitzewallungen sind nur eines, schlechter Schlaf, Gewichtszunahme. Grund ist der Wegfall des Östrogens. Dieses hat nicht nur Bedeutung für die Fruchtbarkeit, sondern noch eine ganze Menge weiterer Aufgaben im Körper.
Langfristige Folgen
Viele Frauen sind stolz, dass sie „gut durch die Wechseljahre gekommen sind“. Das heißt, sie haben wenig Symptome gehabt und richten sich in ihrem neuen Lebensabschnitt ein. Symptome sind das eine, aber auch wenn eine Frau keine hat, heißt das nicht, dass der Östrogenmangel nicht gravierende Folgen hat. Haut, Bindegewebe, Herz, usw.
Himmelschreiende Ungerechtigkeit
Männer haben keine Menopause. Bei ihnen sinkt der Spiegel an Testosteron über die Jahre einfach gemächlich ab. Das bedeutet, dass die Fruchtbarkeit, die Erektion, die körperliche Leistungsfähigkeit ohne größere Sprünge weniger wird.
Die Wechseljahre des Mannes gibt es nicht. Die gelegentlich so genannte „Andropause“ ist eine Erfindung der Pharmabranche, um Männern Testosteron-Präparate als Anti-Aging-Mittel zu verkaufen. Gesunde, nicht übergewichtige Männer haben auch im Alter noch hohe Testosteron-Spiegel.
Und im Durchschnitt aller haben Männer mit 90 immer noch 50% des Hormonspiegels eines 20-jährigen, wogegen wir Frauen bereits mit 50 Jahren mit 5% unseres Östrogens auskommen müssen.
Warum gibt es diese verflixte Menopause überhaupt?
Ich finde es erstaunlich, dass nur sehr wenige Frauen das wissen. „Es ist halt so“. Aber warum? -Was soll es für einen Sinn haben, schlagartig zu altern? Hat es etwas damit zu tun, keine Kinder mehr bekommen zu können?
Als Biologin und Anthropologin schaue ich immer zurück in die Menschheitsgeschichte. Denn unsere Genetik ist im wesentlichen noch die gleiche wie in dem langen Zeitraum, als wir noch jagend und sammelnd unterwegs waren.
Unser energiehungriges Gehirn
Führende Anthropologen rätseln immer noch, wieso ausgerechnet dieser krummbeinige Primat Homo irgendwann einmal in grauer Vorzeit ein größeres, leistungsfähigeres Gehirn entwickelt hat. Denn das hatte Nachteile. Einen Riesenenergieverbrauch! Irgendwie muss es sich gelohnt haben, aber die Kalorien, um dieses Gehirn zu ernähren, mussten erst mal herangeschafft werden. Und dafür haben wir mit unseren gefüllten Kühlschränken keine Vorstellung mehr.
Zahlen aus Lieberman.
Die Kinder von Frauen, die eine Großmutter als Unterstützung haben, haben eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit.
Frauen hingegen, die bis zu ihrem Lebensende Kinder bekamen, hatten ehe einen Nachteil. Denn dieses konnte nicht mitversorgt werden und starb ziemlich sicher mit der Mutter.
Der Oma-Faktor
Und das ist es.
Doch dazu ist es nötig, dass eine Frau irgendwann keine eigenen Kinder mehr bekommt. Und sich nach einer sinnvollen Tätigkeit umsieht. Die Enkelkinder mit zu versorgen. Wenn du jetzt sagst, das ist auch heute noch so, dann hast du recht. Ich kenne einige Fälle, wo die Tatsache, dass Oma für die Kinder da sein kann, den Ausschlag gegeben hat, noch ein drittes Kind zu bekommen.
Und das geht nur, wenn ihr Östrogenspiegel nicht mehr ausreicht. So haben diese Frauen mehr Nachkommen und Gene in die nächste Generation gebracht und die Menopause hat sich entwickelt und als Erfolgsmodell durchgesetzt.
Die „Großmutter-Hypothese“ wurde schon vor Jahren von Anthropologen aufgestellt und sie ist gut belegt. Der positive Effekt auf die Überlebenswahrscheinlichkeit von kleinen Kindern zeigt sich am stärksten bei Die Unterstützung durch Großmütter ist besonders relevant in ökologisch schwierigen Umgebungen
Gut für die Art, schlecht fürs Individuum
Der Vorteil für die Fortpflanzung ist ein Nachteil für die Frau. Männer durchlaufen eher einen normalen Alterungsprozess, weil ihr Investment in die Fortpflanzung im Extremfall in ein paar Minuten abgehandelt ist … Wobei in Jäger Sammler Gemeinschaften beide Geschlechter bis zum Tod aktiv beitragen. Und Frauen werden trotz des Verlustes des Östrogens älter, weil ein paar weitere Schutzmechanismen greifen.
Trotzdem wäre es schön, nicht einfach so plötzlich zu verrunzeln, während der Mann an unserer Seite straff, glatt und selbstbewusst bleibt.
Schütze dich! Was ist sinnvoll?
Wenn du sagst, Menopause gehört zum Frau-Sein dazu, ich nehme das einfach hin wie es ist, dann hast du meine Zustimmung. Die Tatsache, dass Frauen in den Wechsel kommen, ist mit Sicherheit sehr alt, da es überall auf der Welt auftritt. Es gibt keine Völker ohne.
Aber vielleicht kommst du – wie ich – zu dem Schluss, dass wir heute in anderen Zeiten leben, und die Menopause sozusagen überholt ist. Und, auch im Gegensatz zu früher, haben wir heute die Chance, danach noch viele Jahrzehnte zu leben. Und es ist sinnvoll, die körperlichen Nachteile abzufedern, die durch den Wegfall des Östrogens entstehen. Denn wir wollen schließlich unsere späten Jahre in guter Gesundheit verbringen.
Und uns auch seelisch auf das zu besinnen, was sicher auch in unseren Genen steckt: Etwas zur Gemeinschaft beizutragen.
Die logische Antwort: Naturidentische Hormone
Hormone heißen nicht umsonst Botenstoffe. Mit ihnen kommuniziert unser Gehirn mit dem Körper, und wenn Botschaften nicht ankommen, gibt es Probleme. Wenn Hormonen wie Insulin und Thyroxin fehlen, wird ganz selbstverständlich substituiert. Bei Vitamin D, das auch als Hormon eingestuft wird hat man auch sehr früh erkannt, dass es nötig ist, es zuzuführen, wenn es fehlt.
Die Idee, das verschwindende Östrogen bei Frauen im Wechsel zu ersetzen, führt in den Sechzigerjahren zur breiten Anwendung von konjugierten Hormonen. Um die Jahrtausendwende kamen dann groß angelegte Studien zum Ergebnis, dass dies nicht die erwünschten Erfolge hat, sondern, das Brustkrebs- und Schlaganfall-Risiko sogar erhöht.
Das führte dazu, Hormonersatz geradezu zu verteufeln. Mittlerweile setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass eine Substitution mit naturidentischen Hormonen diese Risiken gar nicht birgt und für die Frauen positive Auswirkungen hat.
Nahrungsergänzung
Das ist ein Thema, das man nicht in einem kurzen Absatz abhandeln kann. Zu zahlreich sind die Interessen und Abwägungen, die damit verbunden sind. Wenn man der deutschen Gesellschaft für Ernährung glaubt (das sollte man besser nicht, die sind immer hinten dran), dann ist in einer „normalen, ausgewogenen Ernährung“ alles drin, was der Körper braucht.
- Wer ernährt sich wirklich „gesund“ mit 5 Portionen Gemüse am Tag und ohne Zucker?
- Wieviel isst du als ältere Frau wirklich noch, um nicht zuzunehmen?
- Enthalten unsere Nahrungsmittel wirklich noch die Vitalstoffe?
Aus all dem ergibt sich, dass wir nur noch theoretisch die Chance haben, mit einer „ausgewogenen“ Ernährung alle Vitamine und Vitalstoffe zu uns zu nehmen, die unser Körper für optimales Funktionieren braucht.
Eine gute Freundin von mir ist Ärztin, die integrative Medizin betreibt. Sie erstellt als erstes eine umfangreiche Labordiagnostik ihrer PatientInnen, die allesamt „austherapiert“ sind mit verschiedenen schwierigen Leiden. Und sie hat großer Erfolge damit, Mangelsymptome durch Substitution auszugleichen.
Vitamin D und Magnesium-Mangel findet sie bei fast allen, aber auch das Zuführen der B-Vitamine, von Coenzym 10, Zink und Selen und Vitamin C ist bei den meisten vorteilhaft.
Individuell können sich weitere Spurenelemente als günstig erweisen.
Natürlich hat jeder von uns eine Großmutter, die ohne alle Supplemente 95 geworden ist. Die Frage ist nur, ob sie gesünder und geistig fitter hätte sein können ohne den einen oder anderen Vorgang im Stoffwechsel der auf Sparflamme läuft.
Jeder muss für sich selbst entscheiden, wieviel Nahrungsergänzung man für sinnvoll hält. Manche bemerken recht schnell eine Verbesserung der Lebensqualität. Weniger auffällig ist es, wenn man Krankheiten gar nicht bekommt … Ich für mich habe lieber „teures Pipi“ statt einen Mangel an wichtigen Vitalstoffen zu riskieren und supplementiere gerade im Winter großzügig.
Warum dein Beckenboden deine besondere Unterstützung braucht
Der Urogenitaltrakt gehört zu den östrogenempfindlichsten Geweben im Körper, mit einer überdurchschnittlich hohen Rezeptordichte und Wirkung – auch wenn andere Organe ebenfalls wichtige Östrogenrezeptoren besitzen.
„Der weibliche Urogenitaltrakt stellt ein östrogensensitives Zielgewebe dar. Östrogenrezeptoren (ERα und ERβ) sind im vaginalen Epithel klar nachweisbar und zeigen eine hohe funktionelle Aktivität, insbesondere unter lokaler hormoneller Stimulation (Wiegerink et al., 1980; Sawczuk et al., 2017).“
Das bedeutet, dass sich die Situation sich „da unten“ mit den Wechseljahren rapide verschlechtert. Das deckt sich auch mit meinen langjährigen Erfahrungen als Beckenbodentherapeutin. Es kommen ein paar jüngere Frauen in die Therapie, und ein paar ältere, aber das Gros meiner Patientinnen ist zwischen 50 und 60, weil mit der Menopause oder kurz danach alle möglichen Beschwerden einsetzen. Von der überaktiven Blase, über die Belastungsinkontinez zu Senkungsbeschwerden.
Eine Substitution mit naturidentischen Hormonen bewirkt oft eine Verbesserung und macht die Strukturen besser trainierbar. Auch vor Operationen werden meist Hormonsalben verordnet, um das Gewebe erst mal aufzubauen und die Heilung zu beschleunigen.
Aber darüber hinaus ist noch ein weiterer Einflussfaktor wichtig: Bewegung.
Man liest häufig, dass die Muskulatur des Beckenbodens im Alter abbaut. Aber das kannst du beeinflussen, nicht nur durch Übungen, sondern generell viel Bewegung, die auch den Beckenboden auf Trab hält.
Ähnlich ist es mit dem Bindegewebe. Viel körperliche Aktivität hält auch die bindegewebigen Anteile des Beckenbodens elastisch.
Es sind keine Wunder möglich, aber deutliche Unterschiede zu Frauen, die dem Lockruf des Sofas nicht so gut widerstehen können.
Folge deinem sozialen Instinkt
Vernetzung, Verbindung, Ausgleich. Es müssen keine Enkelkinder sein.
„Alles über die fabelhafte Wechseljahre“
So steht es als Untertitel auf dem Cover des sehr lesenswerten Buches von Sheila de Liz „Woman on Fire“. Ein Fall von klarem Etikettenschwindel, denn die Autorin schildert ganz klar die Vorteile der hormonellen Substitution und will uns nicht weismachen, dass die Menopause etwas ganz, ganz Tolles ist.
Die Menopause ist ein Relikt unserer Vergangenheit, deren negative Auswirkungen wir am besten so gut es geht abfedern. Aber natürlich darf man auch Positives darin sehen. Diese Auswirkungen sind allerdings eher auf geistig-spiritueller Ebene.
Sie ist eine Zäsur, ein Paukenschlag, der uns sehr plötzlich und radikal mit dem Älter werden konfrontiert, und mit der eigenen Endlichkeit. Die Beschäftigung mit diesen Themen kann uns durchaus reifen lassen
Männer haben mit dem schleichenden Niedergang ihrer Hormone oft größere Schwierigkeiten, ihre Unzulänglichkeiten zu akzeptieren.
